#126 von Ambrose
So 14. Feb 2016, 14:09
Sa 14 Dez 2013
von Kill Phil:

Jäger-Killer

Askira beobachtet die Ebene vor dem mächtigen Urwald bereits eine ganze Weile. Eine geradezu trügerische Ruhe liegt über dem öden Boden. In einer Baumkrone lauernd, ist sie perfekt mit der Umgebung verschmolzen, mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Und während sie dort oben ausharrt und stets die Umgebung im Blick hat, schweifen ihre Gedanken ab.
Die Welt von der sie ursprünglich stammt ist nicht weiter der Rede wert, aber der dortige Todeskult ist es dafür umso mehr. Ein grausiger Tempel, der in Urzeiten sogar einmal dem Blutgott persönlich gewidmet gewesen sein soll. Doch das sind alte Gerüchte, die zum Glück nie wahr genug erschienen haben dürften, in den Augen des Inquisitors der sie dort einst rekrutiert hatte. Oder es hatte ihn nie sonderlich gekümmert, weil sie für ihn eh nur eine Waffe gewesen ist. Egal, jetzt ist er tot, was seinen Namen und seine Geschichte zu Staub werden lässt in den unendlichen Weiten dort draußen. Sie hatte von Anfang an nicht besonders viel übrig für diese Typen. Von der Imperialen Armee erhält sie im Moment direkt die Befehle, weil die Situation es erforderlich macht. Not und Verzweiflung verwischen irgendwann alle noch vorher deutlich erkennbaren Linien, die einst Ordnung und Struktur als Illusion vorgespiegelt hatten. Ihr ist es egal. Für Askira zählte schon immer nur das Töten selber. Würde sie nicht im Namen des Imperators töten, dann würde sie es sehr wahrscheinlich für einen beliebigen Chaos Kult tun. Wieso nach dem „warum“ fragen, wenn das „wie“ doch so viel mehr Spaß macht. Der perfekt an einer nichtsahnenden Kehle entlanggeführte Schnitt, das ist der Kick den sie bereits als Jugendliche in ihrer Straßengang ganz weit unten gebraucht hatte um irgendwie durch den Tag zu kommen. Die Zeit in der Gang und der ganze Unterschichten Abschaum liegen lange zurück, doch das Töten selber ist geblieben. Und wo wir gerade über das Töten sprechen…
Die Invasion der Tyranide war so verheerend, das die Abwehrbatterien bereits in den ersten Stunden aufgrund von Überhitzung oder wahlweise Munitionsmangel ausfielen und damit die einzige effektive Verteidigung des Planeten gegen den Hagel aus Sporen der darauf alsbald überall niedergegangen war. Bisweilen regnete es so viele Sporen auf einmal, dass sich der Himmel verdunkelte. Monster aus den finstersten Albträumen, in allen möglichen Größen, entstiegen den abertausenden Kratern und verwandelten den Planeten in ein Schlachthaus. An allen Fronten wurden die Soldaten der Imperial Armee zurückgedrängt oder gleich ganz niedergemacht. Lange hätten sie sich nicht mehr halten können, ¾ aller Truppen waren bereits abgeschlachtet oder zählten als Vermisst. Und dann, im Moment der größten Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, als die Offiziere kaum mehr damit hinterherkamen, feiglinghafte Deserteure zu erschießen, geschah das Wunder.
Ein Waaaghboss mit seiner Schar Boys wurde durch das Gemetzel angelockt. Und als durch die Orks deutlich verstärkt, das Abschlachten völlig neue Höhen erreichte, strömten stetig neue Orks, aus allen möglichen Ecken der Galaxis, zu dem Planeten. Kampf ist ein unwiderstehlicher Lockstoff für jeden Ork. Fast magisch werden sie davon angezogen. Während sich so die Xenos gegenseitig bis aufs Äußerste und ohne jede Rücksicht bekämpften, nutzten die Menschen die Gelegenheit um sich zu konsolidieren und in die letzten verbliebenen Verteidigungsbollwerke zurückzuziehen. Jetzt galt es einen kühlen Kopf zu bewahren und im richtigen Moment die entscheidenden Nadelstiche zu setzen. Was Askira ins Spiel bringt. Denn egal welche Seite am Ende gewinnt, Tyraniden oder Orks, für die Menschen auf IX-3 wird es danach keine Hoffnung mehr geben. Die einzige Hoffnung ist die Kämpfe so lange es geht aufrecht zu halten, was bedeutet die beiden Seiten der Xenos stetig neu auszubalancieren. In 2-3 Monaten besteht dann die Hoffnung, dass die gerufene Hilfe kommt, in Form eines furchtlosen Space Marien Ordens oder der Imperialen Armee in entsprechender Stärke. Wie auch immer, sie müssen durchhalten.
Die Blätter in den Bäumen fangen langsam an zu rascheln. Dann kann Askira ein leichtes Beben spüren. Die Bäume fangen erst ganz leicht, dann stärker an zu schwanken. Motorenlärm und dumpfes Gebrüll ist aus dem Urwald zu vernehmen. Gegenüber auf der Ebene bilden sich darauf erste Risse auf dem Boden. Dann werden die Risse immer größer und größer, bis die Erde aufreißt und eine Vielzahl von Hormaganten die darunter in Ruhrphase gewesen sind, brechen hervor. An anderen Stellen reißen ganze Schichten auf und geben gewaltigere Kriegerorganismen frei, wie einen sich gegen den Himmel reckenden Kreischer Killer Carnifex, der noch etwas träge die an seinen Panzerplatten angebackene Erde abschüttelt, während die Hormanganten bereits hyperaktiv um seine Beine herumhuschen. Raubtierhaftes Gekreische und Geheule ertönt überall auf der Ebene. Dieser Prozess beschleunigt sich immer mehr, bis es auf der vor wenigen Minuten noch leeren Ebene nur so vor Tyraniden aller Größen wimmelt. Der Boden selbst scheint sich jetzt schon zu verwerfen, wo an einigen Stellen riesige Kapillar Türme sich aus der Erde schieben und sich die Landschaft immer mehr in ein unnatürliches Zerrbild des ursprünglichen Planeten verwandelt. Die Tyraniden haben sich ihren Kampfgrund geschaffen. Ihre Kiefer lechzen vor frischen Speichel, ihre Sensenklauen spannen sich zurück um jederzeit verheerend nach vorne zuschlagen zu können, der Schwarm ist bereit.
Dann teilt sich der Urwald unter dröhnendem Getöse wie es nur die Orks verursachen können und ein Pick up nach dem anderen bricht sich Bahn, jeweils eine dicke Spur schwarzen Rauches aus den Auspuffrohren hinter sich herziehend . Es erscheint Askira fast so, als würden die Orks erst noch ein Wettrennen veranstalten, wer eher in der Schlacht ankommt. Wie Berserker feuern sie sich gegenseitig an und schlagen dabei mit ihren primitiven aber ebenso hoch effektiven Waffen auf die Blechverkleidung ihrer Pick Ups, was zu noch mehr Lärm und Getöse führt. „Mit Rotä Farbä sind wir schneller!“ meint Askira als einen der Kampfrufe in dem Lärm und Getöse herauszuhören.
Der Schwarm ist bereits in Stellung, da krachen die ersten Pick Ups in ihn hinein. Buggys die hinter den Pick Ups angedonnert kommen, schießen wie über Sprungschanzen an sich abrupt gestoppte schräg stellenden Pick Ups empor um irgendwo in diesem Schmelzkessel des Gemetzels zu landen. Die Pick Ups stoppen im Übrigen nicht von alleine, Askira bezweifelt mittlerweile ernsthaft das diese Dinger überhaupt so etwas wie eine Bremse haben, nein, sie werden durch die schiere Masse an Tyraniden gestoppt, die sich zu einem einzigen Bollwerk aus Panzerplatten und Klauen zusammengezogen haben. Manch ein verrückter Ork Boy stößt sich dabei noch mit seinen Beinen aus seinem bereits durch die Luft wirbelnden Fahrzeug ab, um noch eine Sekunde eher in der Schlacht zu landen. Hormaganten kreischen und Quieken unter den schmetternden Schlägen der Spalter, geführt von der unnachgiebigen Hand der Orks. Kill Bots fräsen sich aus dem Urwald, um sich sogleich wie ein außer Kontrolle geratender Brummkreise mit lauter Sägeblättern bewaffnet in die Schlacht zu werfen. Einigen an vorderster Reihe kämpfenden Carnifexen wird durch dieses Selbstmordmanöver der Kill Bots so schwerer Schaden in Form verschiedenster Verstümmelungen zugefügt, das nachströmende Ork Boys sie mit Leichtigkeit überwinden können. Die Kill Bots explodieren in einem bunten Feuerwerk aus Ork Technologie und nebelartigen Blutschwaden, irgendwo weiter hinten in den Reihen der Tyraniden, wahllose Locher aus Tod und Vernichtung reißend. Es ist ein geradezu tollkühnes Massaker. An allen Stellen werden die Tyraniden weiter und weiter zurückgedrängt. Die Grüne Flut ist einfach zu zahlreich. Wie eine Lawine brechen die Grünhäute über den Schwarm herein.
Aber dieser Schein kann dennoch trügerisch sein, wie Askira nur zu gut weiß, als in dem Moment wo die Schlacht völlig zu Ungunsten der Tyraniden zu kippen scheint, der Beutepanzer des Orkbosses der die Orks in diesem Sektor anführt durch die Bäume bricht. Ein mittlerweile stark umgebauter Baneblade, der über und über mit Ork Technologie übersäht ist und eine schwarze Rauchwolke hinter sich herzieht, das es phasenweise die Sonne zu verdunkeln scheint. Aus einer Vielzahl an Luken oder wahlweise unregelmäßigen Löchern gucken Snotlinge hervor, die irgendeine nicht nachvollziehbare Funktion im Inneren des Beutepanzers nachzugehen scheinen. Hin und wieder fliegt einer mit einem lauten Knall und Funken sprühend aus einer der Luken, aber dem Panzer scheint das eigentlich nichts weiter auszumachen. Hustend und schwarzen Rauch speiend schiebt er sich unter Getöse weiter nach vorne, alles in seinem Weg plattwalzend, egal ob Urwald, Tyraniden oder andere Orks.
Wild um sich brüllend und irgendwie jeden Ork Boy dabei anfeuernd er solle gefälligst noch mehr Moschen, sonst wird er gleich gemoscht, gestikuliert der Ork Boss aus der obersten Luke der Panzers guckend, dabei eine verbeulte Offiziersmütze der Imperialen Armee auf dem Kopf, die mindestens um die Hälfte zu klein ist und immerzu auf seinem großen Schädel hin und her hüft. Aber wer hätte schon den Mut ihn darauf aufmerksam zu machen? Askira kann sich bei solch einem aberwitzigen Anblick ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.
Dann ist sie aber wieder sofort bei der Sache und katapultiert sich mit einem unglaublichen Salto gefolgt von mehreren waghalsigen Sprüngen über die angrenzenden Baumkronen, die noch nicht vom Ansturm der Orks umgerissen worden sind. Es ist eine so schnelle und fließenden Bewegung, das sie von einem Betrachter, aus dem Blickwinkel der Schlacht, eigentlich gar nicht wahrzunehmen ist, als Askira an den Hals des Orkbosses vorbeifliegt und dabei den Bruchteil einer Sekunde etwas metallisch glänzendes Aufflackern lässt, in dem sich das Licht der Sonne bricht. Sie landet auf dem Rücken eines Carnifexes, der gerade von einer undefinierbaren Menge an Boys niedergerungen wird, wie es nur die Orks vermögen, um dann mit dem nächsten Sprung auf dem Kopf eines vor lauter Fehlfunktionen Funken sprühenden Gargbots zu landen, dann ein erneuter Sprung um ganz aus der Schlacht zu verschwinden. Sie ist einfach weg.
Der Orkboss, der im übrigen Großschädel Donnerrohr heißt, gibt einen Feuerbefehl an die Mannschaft seines Beutepanzers. „Volle Breitseite, aber Zack Zack, sonst mosch ich euch da unten!“
„Verstanden Boss“ Kommt es mit hoher Snotling Stimme aus dem Innern des Panzers zurück. Und dann feuert das Rohr und verwandelt alles davor in einen blutigen Krater. Durch den Rückstoß biegt sich kreischend das rostige Metall des Panzers, aber er hält. Im Gegensatz zu der Kopf-Hals Verbindung von Großschädel Donnerrohr. Mit völlig ungläubigen und gleichzeitig verärgerten Gesichtsausdruck, weil er jetzt nicht mehr moschen kann, kugelt sein Schädel den Beutepanzer herab. Einige Snotlings versuchen noch verzweifelt den Kopf ihres Bosses aufzufangen „Hab dich Boss…Mist…doch nicht…“ was natürlich zum Scheitern verurteilt gewesen ist, bei ihren viel zu kleinen und ungeschickten Händen. Als der Kopf dumpf auf dem Boden aufschlägt, bricht ohne sein stetes Anfeuern seiner Boys das totale Chaos in den Reihen des Orks aus. Feind hin oder her, die Orks entscheiden sich dafür die neue Rangfolge jetzt sofort auszuhandeln, was zu einem wilden Handgemenge führt, in dem es nur so vor Orkzähnen auf einmal spritzt. Die Tyraniden haben jetzt leichtes Spiel und machen die ihnen mindestens 3 zu 1 überlegenen Orks mühelos nieder. Kein Ork überlebt das nun stattfindende Massaker.
Einsatzbesprechung in Bunkeranlage, Basis Beta-6. „Kommander Askira meldet sich nach Einsatz „Morgentau“ zurück. Operation erfolgreich durchgeführt. Kräfteverschiebung im Sektor jetzt wie vorausberechnet.“ Askira steht stramm in ihrer in einem dunklen Rotton angemalten Armaplastrüstung, ihren todbringenden Energiesäbel dabei eng angelegt.
„Nein Kommander. Sie irren sich. Erfolg ist heute der neue Misserfolg. Gucken sie sich diese Aufzeichnungen hier mal genauer an.“ Ihr gegenüber ist ein gesichtsloser Offizier der Imperialen Armee, zu gleichen Teilen Stratege wie Verwalter. Für sie beliebig austauschbar. Sie hat nichts über für diese Art von „Soldat“.
Askira sieht sich die Aufzeichnungen an. Seite für Seite. Mit jeder Zeile, jedem neuen Bild fängt sie weiter an zu verstehen. Sie verlieren. Nach den neusten Hochrechnungen werden die Tyraniden die Orks in weniger als 24 Stunden vernichtet haben. Dann ist jede Hoffnung auf Rettung dahin.
Zeitgleich, als sie Großschädel Donnerrohr ausgeschaltet hatte, wurde durch einen neuartigen Tyraniden Organismus, „Codename: Schattenjäger“, in einem anderen Sektor Ork Boss Schädelknacker ausgeschaltet. Und eine Stunde später, noch bevor sie die Basis wieder erreicht hatte, wurde in einem angrenzenden Sektor Ork Boss Snot Werfer ausgeschaltet. Das Kräfteverhältnis ist mittlerweile arg einseitig zu Gunsten der Tyraniden verschoben. Dieser Effekt verstärkt sich mittlerweile mit geometrischer Geschwindigkeit.
„Wie ältere Aufzeichnungen nahelegen, handelt es sich bei Schattenjäger um eine weitere Form von Todeshetzer, bekannt von der Schwarmflotte Leviathan. Wie dies möglich sein soll, ist uns schleierhaft, alleine durch die große Distanz zwischen Leviathan und dieser Splitterflotte von Kraken, aber das ist jetzt nicht relevant. Relevant ist dafür, dass wenn sie es nicht innerhalb der nächsten Stunden schaffen, Schattenjäger auszuschalten, wir basierend auf einer mathematischen Gewissheit, verloren haben werden. Hier ist das Dossier von Todeshetzer, zwecks besserer Vorbereitung auf ihren Einsatz. Sie haben 30 Minuten, dann wird eine Todesflieger Valküre sie an der nach unseren Berechnungen zufolge aussichtsreichsten Stelle im Urwald absetzen. Unsere Kundschafter konnten unter großen Verlusten eine zu 78% positive Pheromon Spur ausfindig machen. Noch Fragen Kommander?“
„Sir, bei allem Respekt, aber wie hoch sind meine theoretisch errechneten Erfolgsaussichten? Ich sehe das dieser Eintrag entfernt worden ist aus den Aufzeichnungen.“ Stellt Askira leicht vor den Kopf gestoßen fest.
„Sie dürfen jetzt wegtreten Kommander.“ Wendet sich der Offizier von ihr ab. Die Atmosphäre fallt dabei in dem Raum gefühlt noch einmal um ein paar Grad. Kalte Logik verbleibt.
Bei dem Studium des Dossiers von Todeshetzer wird Askira so langsam klar, warum der Eintrag über ihre Erfolgsaussichten entfernt worden ist. Sie befindet sich an Bord dieser Todesflieger Valküre auf dem Weg zu einer allem Anschein nach „Griff nach dem Strohhalm“ Mission. Reiner Selbstmord. Bei allem Stolz und Ego, aber Todeshetzer bzw. in ihrem Fall Schattenjäger ist nicht zu bezwingen. Nicht durch sie, nicht in diesem Setup. Alleine der Bericht in dem Dossier über den Fall Kardinal Salem, das ist meisterliche Terrortaktik. Immer wieder kam er zurück und schlachtete nach und nach jede Wache und jeden Vertrauten des Kardinals dahin. Allein Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz. Völlig nach Belieben. Den Kardinal ließ er dabei jedes Mal mit dem Blut seiner Untergebenen bespritzt am Leben. Bis von dem Kardinal nur noch ein Häufchen Elend übrig war und der Planet im Chaos versank, so das der Schwarm ihn sich ohne große Gegenwehr einverleiben konnte. Etwas so effektives und tödliches hätte Askira bis zum heutigen Tag nicht auf Seiten des Schwarms erwartet. Das Dossier ist streng vertraulich. Aber sei es drum, auch wenn sie eigentlich keine Chance hat, dann gilt es dennoch diese zu ergreifen. Lieber mit einem Messer zwischen den Zähnen untergehen, als wie der Rest dieser nichtsahnenden Schafe.
Kurze Zeit später ist sie bereits an der entsprechenden Stelle Urwald abgesetzt. Das war jetzt der leichte Teil. Die Pheromon Spur ist noch ganz dünn vorhanden. Askira folgt der vorgeschrieben Fährte. Die meisterlichen Bemühungen imperialer Kundschafter in allen Ehren, aber hierbei kann es sich nur um eine Falle handeln. Alles andere würde der momentanen Taktik des Schwarms und dem was sie über Todeshetzer gelesen hatte zuwider laufen. Aber sie hat weder Zeit noch Chancen, also wird sie eins mit der Umgebung des Urwalds und schleicht ihrem Schicksal entgegen. Auf einer kleinen Lichtung verliert sich dann die Spur. Was zu erwarten war, denn hier steht sie ja bereits passend auf dem Präsentierteller. Einen Liktor hat sie auch schon ausgemacht, nur weniger Meter vor ihr im Gebüsch, ein Zweiter ist vermutlich bereits hinter ihr in Stellung gegangen. Das müssen die persönlichen Kommandos von Schattenjäger sein. Ein deutlicher strategischer Vorteil, auf seiner Seite. Schlecht für sie.
Unterbewusst duckt sich Askira weg und lässt den hinter ihr bereits vermuteten Likor über sie hinweg hechten. Vor ihr geht dieser mit seinen Sensenklauen im Boden verankert in Stellung. Seine Fresstentakel teilen sich dabei um einem unheimlichen Heulen Platz zu machen. Ein Signal, was zwei weitere Liktoren zu ihren beiden Seiten erscheinen lässt. Einen davon hatte sie bereits ausgemacht gehabt, der andere taucht quasi aus dem Nichts auf. Verflixte Chamäleon Schuppen. In ihrem Nacken kann sie bereits die sie genau fokussierenden Blicke von Schattenjäger spüren, aber noch wartet dieser im Verborgenen. Noch ist sie nicht reif. Er spielt mit ihr.
Askiras Körper steht unter Spannung, als der drohende Liktor in der Mitte seine in den Boden gerammten Sensenklauen langsam an sich heranzieht und damit den Boden an beiden Stellen aufreißt. Die Spannung in ihrem Körper erhöht sich von Sekunde zu Sekunde, dann schnellen die beiden flankierenden Liktoren wie eine Einheit nach vorne. Der eine schlägt nach unten, der andere nach oben. Es gibt nur eine Ausweichmöglichkeit, durch die Mitte, was Askira mit einem Hechtsprung meistert und dabei mit einer geschwungenen Bewegung mit ihrem Energiesäbel dem mittleren Liktor den Kopf von den Schultern trennt. Einige seiner zuckenden Tentakel werden dabei gleich mit durchgeschnitten. Einer wäre damit raus, als dieser tot nach vorne zusammensackt, einzig noch durch seine in den Boden gerammten Sensenklauen irgendwie gehalten, wie eine Puppe, der man einen Teil ihrer Fäden durchgeschnitten hat.
Doch es gibt keinen Grund sich bereits zu freuen, als die beiden anderen Liktoren blitzschnell um Askira herumwirbeln. Ihre Schläge waren in Teilen nur angetäuscht. Der Liktor in der Mitte wurde somit ganz bewusst geopfert. Askiras Augen weiten sich mit einer Mischung aus Erstaunen und Angst. Dann treffen sie fast gleichzeitig vorne und hinten die Sensenklauen. Ihre Armaplastrüstung erleidet dabei schwerste Strukturschäden. Ihr linker Arm bricht gleich an 3 Stellen. Mehrere Rippen brechen. Ihr rechter Arm ist ausgekugelt. Der Energiesäbel wird hinfort geschleudert. Blut sammelt sich in ihren Mundwinkeln. Sie liegt einen Moment wie betäubt auf dem Rücken, da stehen bereits die beiden Liktoren über ihr. Turmhoch ragen sie in den Himmel auf. Dann sausen die Sensenklauen nach unten.
Doch noch ist ihr nicht nach sterben. Später gerne, aber jetzt noch nicht. In dem Bruchteil einer Sekunde, bevor die Sensenklauen an mehreren Stellen todbringend in den Boden einschlagen, rollt sie zur Seite weg und schlägt dann mit beiden Beinen einen Spin, der so gewählt ist, das sich ihre Schulter wieder einrenkt und sie sich neben ihrem Energiesäbel aufrichten kann. Mit dem Energiesäbel in der Hand führt sie eine abrupte Bewegung in Richtung des Fußes des Liktors der zu ihr am nächsten steht. Und sie trifft, trotz den Schmerzen in ihrer Seite und einem Arm der ihr keine Hilfe mehr ist. Der Fuß des Liktors wird mehrere Meter hinfort geschleudert, eine Spur aus blutigen Fäden hinter sich herziehend. Der Liktor heult auf und muss sich über seine Sensenklauen stabilisieren, um nicht umzukippen. Askira nutzt diese Chance so gleich und schlägt ihm eine Sensenklaue durch, was den Liktor vollends aus dem Gleichgewicht bringt. Wild um sich schlagend fällt dieser zur Seite. Weiterhin gefährlich, aber beherrschbar, denkt Askira und dann durchbohrt sie eine neue Sensenklaue von hinten durch die rechte Schulter. Sie schreit laut vor Schmerzen, dann beißt sie sich auf die Zunge, als die Kreatur hinter ihr sie langsam zu sich herum zieht. Dabei über einen Meter über dem Boden haltend. Drei Paar verstohlen dreinblickende Augen starren sie an. Dieser Liktor ist größer und effektiver als die anderen. Es besteht kein Zweifel, das muss Schattenjäger sein. Sie hat ihn gefunden, er hat sie gefunden, wie auch immer, das ist jetzt alles egal. Sie hat gut gekämpft, eine Chance hatte sie eh nie. Ein tröstender Gedanke, wie Askira findet, als sich die Fresstentakel von Schattenjäger mit genüsslicher Ruhe vor ihrem Gesicht auseinander ziehen. Sie schließt die Augen. Die Welt gleitet ganz weit fort. Sie spürt auch keine Schmerzen mehr. Sie fühlt sich leicht wie eine Feder. Es wird dumpf und stumm um sie herum.
Dann zerreißt Donner, Geschrei und Gebrüll diesen Moment des Abgleitens und gleichzeitigen Abschließens. Askira reißt die Augen wieder auf, ihre Gedanken rasen unkoordiniert und dann sieht sie Schattenjäger nach hinter wegfallend, auf seinen Schultern einen grimmig dreinblickenden Orkboss mit zwei gezackten Messern sitzend, der beide Messer tief in die Schultern von Schattenjäger treibt. Sie wird herumgewirbelt und landet unsanft auf dem Boden, als im Todeskampf begriffen, Schattenjäger seine Sensenklaue hektisch aus ihrer Schulter reißt. Andere getarnte Orkboys, vielleicht eine Hand voll, die Gesichter schwarz bemalt oder hinter Halstüchern verhüllt, machen die beiden anderen verblieben Liktoren nieder. Da werden Kehlen geschlitzt, der Gegner kontrolliert niedergeschossen. Das sind Kommandotaktiken. Wenn auch auf Ork Art, das muss man ihnen ja lassen.
Der Orkboss der gerade mit einer scherenartigen Bewegung den Kopf von Schattenjäger abtrennt und triumphierend in die Höhe reißt erinnert sie in einer gewissen Weise an Boss Snikrot, dessen Dossier sie mal vor einer ganzen Weile gelesen hatte. Dann rammt er den Kopf von Schattenjäger auf eine spitze Stange und befestigt diese an seinem Rücken. Wie ein Totem ragt jetzt hinter ihm der blutige Liktoren Kopf auf, die Fresstentakel leblos hinabbaumelnd. Die drei Augenpaare in alle möglichen Richtungen verdreht.
Askira, teilweise noch völlig perplex, aufgrund der Absurdität der Situation, versucht sich gerade mühsam aufzurichten, ihren Energiesäbel dabei als Krücke verwendend, da steht einer der Kommando Boys neben ihr, seine fette Wumme auf sie gerichtet. „Darf ich das Weiß Gesicht wegballern, Boss? Darf ich, darf ich, will unbedingt Weiß Gesicht wegballern…“
Der Orkboss brüllt darauf erst wütend, dann knurrt er drohend. „Nein, das Weißgesicht hat dafür das es kein Ork ist heute ganz gut gemoscht. Wir sind hier fertig.“
Die anderen Kommando Orks verschwinden drauf für Ork Verhältnisse lautlos im Urwald. Der Orkboss ist der letzte der geht und wirft dabei der verletzt am Boden knienden Askira noch einen letzten Blick zu. „Das nächste Mal wenn wir uns wiedersehen, dann landet auch dein Kopf auf meiner Trophäenstange.“ Knurrt er mürrisch.
„Das werden wir dann noch sehen…“ Denkt sich Askira, mit einer Mischung aus kämpferischen Trotz und einem leichten Anflug von gefühlter Verbundenheit, mehr auf einer primitiven Krieger Ebene. Da ist ihr so jemand wie dieser Kommando Ork Boss um Welten lieber, als die gesichtslosen Imperiums Verwalter. Dann muss sie wieder für einen kurzen Moment lächeln, einen weiteren Moment später ist auch sei im Urwald verschwunden. Das einzige was auf der Lichtung zurückbleibt sind die zerschundenen Körper der Tyraniden, einige dunkelrote Armaplast Splitter, die ein oder andere Lache Blut und viel zu viele Patronenhülsen der Ork Wummen.